Castor auf dem Wasser - keine Aktionsmöglichkeiten?

b_300_0_16777215_00_images_artikel_120528-stop-schiff.JPG(anti-atom-aktuell Nr. 260-261 Castor 2.017) Der Castor-Transport von Obrigheim nach Neckarwestheim soll auf dem Wasserweg stattfinden, genauer gesagt auf dem Neckar. Das ist erst mal was Neues, wir haben Erfahrung mit Castor auf Straße und Schiene, aber auf dem Wasser noch nicht. Aber es gab auch die Zeit, als sich die Proteste im Wesentlichen auf den Straßenweg beschränkten weil niemand Ideen für die Schiene hatte. Das haben wir geschafft - also lasst uns jetzt Ideen fürs Wasser entwickeln!

Rahmenbedingungen Die Transporte (fünf mit jeweils 3 Castoren) werden auf einem Binnenschiff 50km von Obrigheim nach Neckarwestheim den Neckar aufwärts transportiert. Der Neckar ist dort zwischen 50 und 100m breit, das Fahrwasser zwischen 40 und 60m. Es gibt auf der Strecke rund 15 Brücken von Autobahn bis Fußweg und Schiene über den Neckar und 6 Schleusen, also auch einiges an Aktionsmöglichkeiten. Schiffe sind langsamer, es lässt sich also gut auf Aktionen einstellen, erwartet wird, dass das Schiff für die Strecke etwa anderthalb Tage braucht.

Bisherige Proteste auf dem Wasser Bevor wir das Rad neu erfinden, schauen wir doch erst mal: Was gab es schon? anti-Atom-Proteste neben, an und auf dem Wasser fangen nicht erst nächstes Jahr an. Beispielsweise gab es 2012 einen 10-tägigen Transport von Obrigheim nach Lubmin mit verstrahlten radioaktiven Bauteilen über verschiedene Flüsse, Kanäle und die Ostsee.

Brücken sind natürlich schöne Orte für Mahnwachen oder schon im Vorfeld für Brücken-Aktionstage, außerdem lassen sich dort gut Transparente aufhängen. Abseilen geht natürlich auch. Die Auseinandersetzung vor Gericht um eine Abseilaktion, die den Transport nach Lubmin zum Stoppen brachte, hat ergeben, dass es sich hierbei juristisch betrachtet um eine Ordnungswidrigkeit (Fehlbenutzung einer bundeseigenen Schifffahrtsanlage entgegen ihrer Zweckbestimmung) handeln kann – ähnlich wie beim Betreten von Bahnanlagen.

Auch direkt an der Schleuse lässt sich protestieren. Als der beschädigte Trafo aus Krümmel abtransportiert werden sollten, besetzten Atomkraftgegner*innen kurzerhand die Schleuse - auch der neue Trafo kam nur mit Behinderungen rein.

Direkt auf dem Wasser ist es auch möglich Demonstrationen anzumelden, sogar Blockaden sind anmeldbar. Seit Jahren gibt es Flosstouren zu verschiedenen Themen von Robin Wood. Auf der Elbe (einer der meistbefahrensten Wasserstraßen in der BRD) wurde von der Kampagne gegenstrom 2013 einige Stunden lang mit den verschiedensten Wasserfahrzeugen blockiert um gegen das Kohlekraftwerk Moorburg zu protestieren.

Je nach Jahreszeit lässt sich auch im Neckar schwimmen, bei Magdeburg hielten vier Schwimmer*innen den Atommülltransport nach Lubmin für zwei Stunden auf.

Vorsicht ! Wie bei Zugtransporten auch gibt es natürlich Risiken. Schiffe haben einen sehr langen Bremsweg. Dafür fahren sie aber auch nicht so schnell, mehr als 15km/h ist auf dem Neckar nicht erlaubt und vor und nach den Schleusen sind sie langsamer. Gerade vor und nach Schleusen kann es allerdings stärkere Strömungen, eventuell auch welche die unter Wasser ziehen, geben. In der Nähe von Schiffen kann es zu Sogwirkungen und Wellenschlag kommen. Informiert euch also vorher, schaut euch die Gegend an!

Der Fantasie sind also keine Grenzen gesetzt, – bloß weil wir noch nicht so viel Erfahrungen haben, heißt es nicht, dass es keine Interventionsmöglichkeiten gibt! Vielleicht gibt es eine Massensitzblockade der Schleuse oder eine x-tausend-mal-quer-Schwimmblockade?

Egal, ob auf der Straße, Schiene
oder auf dem Wasser:

gemeinsam stoppen wir die Castoren
und alle anderen Atomtransporte! @