Nach dem Castor ist vor dem Castor - Dienstag Leer-Castor-Fahrt

b_300_0_16777215_00_images_artikel_news_170703-beladung-neckarwestheim_170703-castor-beladung-neckarwestheimi-04.jpgDas Bündnis Neckar castorfrei informiert über die nächsten Schritte der umstrittenen Castor-Transporte auf dem Neckar

(Pressemitteilung, 03.07.2017) Wir informieren Sie über unsere Einschätzung der Situation nach dem ersten Neckarcastor-Transport. Die EnBW hat heute den von uns erwarteten Schiffstransport von drei leeren Castoren von Neckarwestheim nach Obrigheim für morgen (4.7.) angekündigt.


Das Castoren-Hütchenspiel

Drei heiße Castoren aus Obrigheim stehen nun in Neckarwestheim. Ein vierter Castor war bereits in Obrigheim vor Ort und wird derzeit dort beladen. Drei leere Castoren wurden heute am Montag 3.7. in Neckarwestheim auf das Transportschiff mit seiner Castoren-Garage geladen, um morgen am Dienstag 4.7. nach Obrigheim gefahren zu werden. Sobald dann zwei davon dort ebenfalls mit Brennelementen beladen und abgefertigt sind, kann der zweite heiße Schiffstransport starten. Wahrscheinlich werden aber vorher die Transportschiffe erst wieder zum Parken nach Neckarwestheim zurückkehren, denn das Parken in Obrigheim ist sehr problematisch und das Beladen und Abfertigen eines jeden Castors dauert einige Tage, zuzüglich eines Zeitpuffers. Weitere 8 noch leere Castoren stehen noch in Neckarwestheim und werden später nach  Obrigheim gebracht.
Während des Schiffstransports sind leere ebenso wie heiße Castoren auf je einem Schwerlastroller Scheuerle Intercombi 8 befestigt, mit weißen Boden- und Deckel-Teilen und schwarzen Halteapparaten (s. Foto). Derzeit scheint es, als habe die EnBW (bzw. die beauftragte Fa. Daher NCS / HCS ) insgesamt nur drei oder vier dieser je 12 m langen und über 20 t schweren Schwerlastroller im Einsatz, die also mit den Schiffen zwischen Obrigheim und Neckarwestheim pendeln.

Zugfahrzeuge

Jeder Castor wird mit Hilfe eines 4-achsigen Zugfahrzeuges der Fa. Daher auf den Schubleichter „Lastdrager 40“ gefahren, am Ziel werden dann gleich zwei Zugfahrzeuge benötigt, um die Castoren über eine 10 bis 15 Prozent steile Rampe aus dem Schiff zu ziehen. Zum Bewegen der heißen Castoren sind genau zwei dieser Zugmaschinen genehmigt, von denen also mindestens eines auf der Straße zwischen Neckarwestheim und Obrigheim pendeln muss. Heute waren in Neckarwestheim bei den kalten Castoren insgesamt drei dieser auffälligen Zugmaschinen im Einsatz: HU-NC 403 (weiß) und HU-SV 602 sowie HU-SV 802 (jeweils blau).

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Fahrplan

Der Fahrplan der vorgemerkten Transport-Termine der heißen Castoren dürfte schon lange feststehen, ist aber geheim. Wir rechnen mit der nächsten Fahrt frühestens in zwei Wochen.

Ungenehmigte Lagerung der heiß beladenen Castoren in Obrigheim

Die EnBW hat weiterhin nicht die erforderliche Genehmigung, bis zu drei beladene Castoren in Obrigheim bis zum Abtransport zu lagern. Es gibt dazu nur eine Absprache mit dem Umweltministerium, aber keine Genehmigung. Das halten wir für illegal und keinesfalls dem Risiko einer solchen Lagerung angemessen. Das Ministerium verweist sehr kreativ auf die „1. Stilllegungs-
und Abbaugenehmigung“ von 2008 für das AKW in Obrigheim, die auch die wochenlange Castoren-Lagerung mit abdecke. In Wahrheit war eine „Bereitstellungslagerung“ im jetzt durchgeführten Umfang damals weder beantragt noch genehmigt.

Wie unterscheide ich einen Transport leerer Castoren von einem heißen Transport?

Beim heißen Transport am 28.6.17 konnte man den vordersten und den hintersten Castor durch die Lüftungseinrichtungen der Castoren-Garage sehen, wie die an Bug bzw. Heck des Lastdrager 40 aufgenommenen Fotos zeigen:

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Als äußere Kennzeichnung der gefährlichen Fracht sind lediglich spezielle Schifffahrtszeichen vorgesehen:
je zwei blaue Kegel an Bug und Heck des Schiffes bzw. Schubverbandes bedeuten „Gesundheitsgefährdender  Gefahrguttransport auf einem Schiff“. Nachts ersetzen zwei blaue Lichter die Kegel. Am 28.6.17 war der Schubverband vorne am Bug des Lastdrager 40 mit 2 Kegeln und zwei Lampen markiert und am Heck der „Edda“ mit einer Sparversion der Kegel und ebenfalls 2 Lampen:

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Während der Wende- und Rangiermanöver, bei denen der Lastdrager 40 am Bug vom Schubschiff „Ronja“ gezogen oder geschoben wurde, war der Verband nicht korrekt gekennzeichnet.

Wendemanöver: Fluss zu schmal oder Schiffe zu lang?

Der Neckar eignet sich nicht für das Wenden langer Schiffe oder Verbände, er ist dafür fast überall zu schmal. Allerdings enthält das Transportkonzept der EnBW jeweils bei der Abfahrt in Neckarwestheim bzw. Obrigheim ein Wenden des Lastdrager 40. Anders als von der EnBW behauptet scheint das kein bewährter und gut geplanter Vorgang zu sein, sondern es wurden unterschiedliche Varianten improvisiert, zuletzt ein gewagtes Wendemanöver vor der Schleuse Guttenbach mit Abkoppeln des mit heißen Castoren beladenen Lastdrager 40 von den Schubschiffen. Trotz Hilfsmotor mit Bugstrahlruder
halten wir dieses Manöver für unverantwortlich.


Radioaktivität beim heißen Transport

Das Umweltministerium beschrieb die erhöhte Gamma- und Neutronenstrahlung in der Umgebung des heißen Transportes als „unauffällig“, die Messergebnisse „lagen im erwarteten Bereich“. Damit wurde trickreich umschrieben, dass die Strahlung „im erwarteten Bereich“ erhöht war. Leider meldeten dann viele Medien, es habe keine erhöhte Strahlung gegeben. Bitte schauen Sie sich die mündlichen und schriftlichen Äußerungen des  Umweltministeriums und die veröffentlichten Messwerte der LUBW genau an, und Sie werden dort finden, dass sogar im Fahrstand des Schubbootes eine Belastung von zusätzlichen 3 Mikrosievert auftrat, trotz zig Meter Entfernung von nächsten Castor. Es gab aber auch Menschen, die noch viel näher an den Castoren dran waren, z.B. diese Person einige hundert
Meter vor der Schleuse Heilbronn:

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Atomausstieg
Wir geben Herrn Umweltminister Untersteller recht, wenn er sagt „Im Übrigen gibt es keine effektivere Müllvermeidung als den Atomausstieg.“ (PM des UM vom 29.6.17). Und genau dafür brauchen wir den sofortigen Atomausstieg. Nicht 2020 oder 2023, Herr Untersteller, sondern sofort! Sie haben es in der Hand, das Verbrechen des Betriebs von Atomkraftwerken zumindest in Baden-Württemberg endlich nicht mehr weiter zu decken, sondern zu beenden.

Proteste und Aktionen
Wenn die Politik versagt, müssen die Bürger selbst aktiv werden. Genau das haben am 28.6. sowohl die Demonstranten in Heilbronn und sonst an der Transportstrecke gemacht, und werden das auch bei den weiteren Transporten tun. Besonders wichtig war das Engagement der Kletterkünstlerinnen und - künstler in Bad Wimpfen und Heilbronn-Horkheim.

Für die nächste „heiße“ Fahrt von Obrigheim nach Neckarwestheim werden wir vorher wieder einen zentralen Protestort bekannt geben.